FCIO - Fachverband der
Chemischen Industrie Österreichs
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Nachhaltige Beschaffung im Bauwesen

Bauprodukte sind ein wichtiger Zweig der chemischen Industrie. Das Produktportfolio der Branche spannt sich von Anstrichmitteln über Bauchemikalien, Dämmstoffe, Rohre, Fenster bis zu Straßenbaustoffen und anderen Materialien. Von Beschaffungskriterien für Bauprodukte ist die chemische Industrie daher unmittelbar betroffen.

  • Betroffen ist die chemische Industrie aber auch von einer Vielzahl weiterer legistischer Regelungen, deren Einhaltung einen erheblichen bürokratischen Aufwand darstellt. Regelungen zur nachhaltigen Beschaffung sollten sich daher in die bestehende Gesetzgebung einpassen und nicht dazu parallel laufen oder sie sogar konterkarieren – keine doppelte Gesetzgebung!
  • Verwendete Kriterien müssen wissenschaftlich fundiert sein und sollten unter Einbeziehung aller Stakeholder erstellt werden um einen möglichst breiten Konsens zu erzielen.
  • Eine gesamtheitliche, nachhaltige Betrachtung ist anzustreben, eine bloße Ausrichtung auf ökologische Kriterien ist als unvollständig abzulehnen.
  • Allfällige ökologische Vorteile dürfen nicht durch Inkaufnahme inakzeptabler Nachteile in anderen Bereichen, z.B. durch Abstriche beim Konsumentenschutz oder der Qualität, erzielt werden.
  • Die Beschaffungspolitik sollte sich auf das Wesentliche konzentrieren anstatt sich durch Fokussierung auf zu viele untergeordnete Themen zu verzetteln. Vordringliches Ziel ist die CO2-Reduktion. Mit einer optimierten Dämmung der Gebäudehülle sowie effizienter Heizung bzw. Kühlung ist wesentlich mehr zu erreichen als durch zusätzliche Stoffverbote bei einem durch Gesetze und Verordnungen ohnehin schon auf höchstem Sicherheitsniveau stark regulierten Chemikaliensektor.
  • Kriterien sollten möglichst Ergebnis-orientiert ausgelegt sein und nicht auf Inhaltsstoffe einzelner Produkte abstellen. Es ist dem Bauherren/Architekten freizustellen, wie er gesetzte Ziele für das Bauwerk  erreicht. Er soll nicht durch Vorgaben bezüglich Materialien bzw. Inhaltsstoffen eingeschränkt sein. Solche Regelungen wirken letztlich innovationshemmend und sind u.U. nicht nachhaltig.
    Besonderes Augenmerk ist der Qualität der Produkte zu schenken sowie der Servicierung.
  • Die Industrie benötigt einen gemeinsamen, einheitlichen Markt. Dies bedeutet, dass auch bei einer nachhaltigen Beschaffung die Kriterien europaweit gleich sein müssen. Nationale oder sogar regionale Alleingänge sind daher abzulehnen.Dies trifft insbesondere auch für die Vielzahl von Umweltzeichen zu, die es derzeit im EU-Bereich gibt. Hier besteht Harmonisierungsbedarf. Sie müssen auf ein einziges Zeichen reduziert oder es muss das Prinzip der gegenseitigen Anerkennung eingeführt werden. Gleiches gilt für sonstige Hilfsmittel wie Öko-Datenbanken und Kriterienkataloge.

 

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Dr. Johann Pummer
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