Stakeholderdialog Biobased Industry 2019: Holz – das Rückgrat der Bioökonomie

Die biobasierte Industrie, die als Motor der Bioökonomie fungiert, kann einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Sie kann den Verzicht auf erdölbasierte Rohstoffe ermöglichen und stattdessen auf nachwachsende Materialien setzen, um Treibhausgase einzusparen. Die Veranstaltung Stakeholderdialog Biobased Industry, die vom BMVIT und dem Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs gemeinsam ausgetragen wird, stellt jedes Jahr mehrere Forschungsarbeiten zu dieser nachhaltigen Form des Wirtschaftens vor.

Zu den wichtigsten biogenen Rohstoffen zählt Holz. Diesem Thema widmete sich der heurige Stakeholderdialog. Die Veranstaltung fokussierte auf neue Anwendungen, innovative Produkte und Technologien in Zusammenhang mit der stofflichen Nutzung dieses Rohstoffs. Wo liegen die Potenziale von Holz als chemisch-technischer Rohstoff? Das Hauptaugenmerk lag auf den Einsatzmöglichkeiten des Rohstoffs Lignin, das bei der Celluloseherstellung als Nebenprodukt anfällt: nicht nur Vanillin, sondern auch Bindemittel und Klebstoffe oder Grundierungen für die Lackindustrie lassen sich daraus herstellen. Als vielseitige Kohlenstoffquelle wird Lignin sogar als das Erdöl der Zukunft bezeichnet.

Aber nicht nur Lignin als Rohstoff wurde behandelt, auch die Vorteile von Cellulose gegenüber anderen Rohstoffen für Textilfasern. So sind Cellulosefasern biologisch abbaubar und bilden am Ende ihres Lebenszyklus die Basis für neues Pflanzenwachstum. Außerdem ist Forstwirtschaft ökologisch wesentlich schonender als Baumwollanbau.

Spannend zu sehen war auch, dass Produkte, die aus biogenen Rohstoffen erzeugt werden, nicht automatisch einen besseren Klimafußabdruck aufweisen. So schneidet etwa der erdölbasierte Kunststoff PP im Anwendungsbereich „Becher und Schalen“ nicht nur bei den technischen Eigenschaften besser ab als das biobasierte PLA, sondern auch im Hinblick auf die Umweltauswirkungen. Hier ist für jeden Anwendungsbereich und für jeden alternativen Rohstoff eine genauere Betrachtung gefragt.

Bioraffinerien existieren erst seit 20-30 Jahren, hier hat die erdölbasierte chemische Industrie noch einiges an Wissensvorsprung. Dementsprechend hoch ist noch der Forschungsbedarf in diesem Bereich. Viele Projekte lassen sich aktuell nur im Labor, aber noch nicht im industriellen Maßstab umsetzen.

Die hohe Teilnehmerzahl verdeutlichte das große Interesse an dem vielschichtigen Thema „Biobased Industry“, dem in Zukunft wohl eine Schlüsselrolle am Weg zur Dekarbonisierung zukommen wird.