Wendepunkt für die chemische Industrie: EY-Studie zeigt aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze für die Schlüsselbranche
96 Prozent aller in der EU hergestellten Waren brauchen Vorprodukte aus der Chemie. Österreich muss jetzt handeln, damit industrielle Wertschöpfung im Land bleibt.
Ohne Chemie keine Industrie: Eine neue EY-Studie im Auftrag des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) zeigt, welche Bedeutung die Branche für den Standort hat. Sie erwirtschaftet jährlich 5,7 Milliarden Euro Wertschöpfung, sichert rund 51.008 Arbeitsplätze und liefert Vorprodukte für 96 Prozent aller in der EU hergestellten Waren. Die Studie macht deutlich, dass die Branche ihre Schlüsselrolle nur erfüllen kann, wenn in Österreich endlich wettbewerbsfähige Standortbedingungen geschaffen werden.
Die wichtigsten Ergebnisse
Die Befragung der Unternehmen zeigt ein klares Bild: Hohe Energiepreise, steigende Arbeitskosten, langwierige Genehmigungsverfahren sowie regulatorische Unsicherheit und Komplexität zählen zu den größten Belastungen für den Standort. Gleichzeitig wird Österreich im internationalen Vergleich zunehmend als weniger wettbewerbsfähig wahrgenommen, insbesondere gegenüber den USA und Asien. Aber auch innerhalb Europas verschlechtert sich die Wettbewerbsfähigkeit zunehmend.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Investitionsentscheidungen wider. Zwar wollen rund drei Viertel der Unternehmen weiterhin in Österreich investieren, gleichzeitig sinken die geplanten Investitionsausgaben vor allem in der Herstellung chemischer und pharmazeutischer Erzeugnisse. Unternehmen, die neue Kapazitäten im vorrangig im Ausland aufbauen wollen, nennen vor allem niedrigere Arbeitskosten, schnellere Genehmigungen und bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen als entscheidende Beweggründe.
„Chemische Produktion funktioniert nicht isoliert. Ganze Wertschöpfungsnetzwerke greifen ineinander. Geht ein Teil dieser Produktion verloren, geraten auch viele andere Unternehmen ins Wanken. Deshalb geht es um weit mehr als einzelne Betriebe, es geht um die Zukunft des Industriestandorts Österreich", betont FCIO-Obmann Ulrich Wieltsch.
Die Studie zeigt ganz klar, wo angesetzt werden muss: Unternehmen brauchen international konkurrenzfähige Energiepreise, raschere Genehmigungen und einen spürbaren Abbau bürokratischer Belastungen. Ebenso entscheidend sind eine aktive europäische Handelspolitik, ein praxistauglicher Emissionshandel und die konsequente Umsetzung der Omnibus-Pakete zur Entlastung der Industrie. Nur unter diesen Voraussetzungen kann Österreich ein attraktiver Produktionsstandort sein. Die EU erkennt mit dem Chemicals Industry Action Plan und der Critical Chemicals Alliance die strategische Bedeutung der chemischen Industrie, Österreich muss hier nachziehen, um im internationalen Wettbewerb nicht weiter an Boden zu verlieren.
„Wir brauchen einen Schulterschluss, um der Deindustrialisierung entgegenzuwirken. Die notwendigen Maßnahmen müssen jetzt umgesetzt werden, in drei bis fünf Jahren ist der Abwanderungstrend nicht mehr umkehrbar“, appelliert Wieltsch abschließend.
Das aufgezeichnete Pressegespräch und alle Downloads können Sie hier nachsehen: https://events.streaming.at/fcio-20260730

