EU-Plan unzureichend für den Kampf gegen Medikamentenengpässe

25.10.2023 | „Die gestern von EU-Gesundheits-Kommissarin Stella Kyriakides vorgestellte Mitteilung zur Bekämpfung von Arzneimittelengpässen in Europa reiht sich bedauerlicherweise in eine Reihe von Ankündigungen und Absichtserklärungen ein, statt die dringend benötigten konkreten Maßnahmen voranzubringen“, kritisiert Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) die Pläne der EU-Kommission.

Denn die zentrale Frage, wie Pharmaunternehmen dabei unterstützt werden können, wieder verstärkt in Europa zu produzieren, wurde in den Vorschlägen der Kommission viel zu wenig thematisiert. Nach wie vor fehlen die notwendigen Rahmenbedingungen für einen nachhaltigen Ausbau der Arzneimittelproduktion. Dabei wären zusätzliche Produktionskapazitäten der sicherste Weg, um die Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit wichtigen Medikamenten zu stärken. Darüber hinaus würde dies auch die Innovations- und Wirtschaftskraft der Europäischen Union erhöhen. „Eine gezielte Stärkung des Pharmastandortes könnte einen Schub für die Arzneimittelproduktion in Europa auslösen. Mit gezielten Förderungen und fairen Preisen für Produkte Made in Europe könnten wir die Arzneimittelproduktion nicht nur halten, sondern sogar ausbauen“, ist die FCIO-Geschäftsführerin überzeugt. Hier gilt es anzusetzen, denn kein Unternehmen kann seine Produktion auf Dauer halten oder ausbauen, wenn es sich wirtschaftlich nicht rechnet und Konkurrenten aus Asien mit niedrigeren Kosten die heimischen Produkte vom Markt verdrängen.

Leicht umsetzbare und wirksame Ideen für Maßnahmen zur Stärkung der Pharmaproduktion sind bekannt. So zeigt beispielsweise Frankreich, wie es gehen kann. Die französische Regierung stellt bis 2030 7,5 Milliarden Euro zur Verfügung, um die Produktion wichtiger Wirkstoffe und Medikamente wieder anzukurbeln. Auch eine Indexierung der Arzneimittelpreise zum Inflationsausgleich, um die seit Jahren steigenden Herstellungskosten abzufedern, wäre auf nationaler Ebene schnell und unkompliziert umsetzbar.

Die zentralen Vorschläge der Mitteilung wie die beschleunigte Erstellung einer Liste kritischer Arzneimittel und Ideen zur Bevorratung hingegen kommen dagegen zu spät für eine rasche europaweite Umsetzung. Viele Mitgliedstaaten haben bereits eigene Initiativen gesetzt und arbeiten an Bevorratungsmaßnahmen. Eine nachträgliche Harmonisierung ist auf Grund der Komplexität des Themas in naher Zukunft nicht zu erwarten. Und auch der geplante Solidaritätsmechanismus wird seinen Praxistest nur schwer bestehen. „Das Thema Versorgungssicherheit wird erst dann gelöst werden, wenn die EU-Kommission das Thema „Re-shoring“, also die Rückholung der Produktion nach Europa, ernsthaft angeht. Solange das nicht geschieht, werden uns Scheinlösungen präsentiert, die viele Seiten Papier füllen, aber weder die Ursachen noch die Symptome beseitigen“, so Hofinger abschließend.

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